Fuß- und Radverkehr

Maßnahme 1: Mehr Fuß- und Radverkehr in urbanen Räumen − Was bedeutet der Umstieg vom Pkw für mich und unsere Gesellschaft?

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Mobilität heute
Von täglich 283 Millionen Wegen wurden 2008 rund 67 Millionen (24 Prozent) zu Fuß und 28 Millionen (10 Prozent) per Rad zurückgelegt. In Städten lag der Wegeanteil von Fußgängern und Radfahrern mit 37 Prozent über dem Bundesdurchschnitt. Im Freizeitverkehr liegt der Anteil bei 44 Prozent, für dienstliche Wege jedoch nur bei 7 Prozent. Die wenigsten Wege per Fuß und Rad legen Menschen zwischen 18 und 64 Jahren zurück: 2008 betrug ihr Fuß- und Radverkehrsanteil 32 Prozent für Frauen und 27 Prozent für Männer.


Bedeutung von mehr Fuß- und Radverkehr für den Einzelnen

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Für Wege bis etwa fünf Kilometer sind es günstige, gesunde und umweltfreundliche Alternativen, zu Fuß zu gehen oder mit dem Rad zu fahren. Die Vorteile hängen jedoch stark von den persönlichen Umständen ab.

Kosten: Die Kosten eines Kompakt-Pkw können bis 5.000 Euro pro Jahr erreichen, wovon etwa 1.800 Euro auf Kraftstoff, Wartung und Reparaturen entfallen. Bei vollständigem Verzicht auf den Pkw verbliebe also noch reichlich Budget für Carsharing, ÖPNV oder Bahn zur Abdeckung längerer Strecken.

Gesundheit: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt 150 Minuten mäßige intensive Bewegung pro Woche. Dadurch lassen sich Krankheitskosten für das Gesundheitssystem und die Wirtschaft reduzieren. Diese können für untrainierte Menschen in Deutschland jährlich mit bis zu 2.000 Euro bewertet werden.

Zeitaufwand: Zwar ist man zu Fuß mit etwa 4,5 Stundenkilometern wesentlich langsamer als ein Auto, oft können aber direktere Wege gewählt werden. Mit dem Fahrrad ist man dank der hohen Flexibilität oft genauso schnell unterwegs wie mit dem Pkw.

Sicherheit: Fußgänger und Radfahrer sind gegenüber Pkw-Insassen einem höheren Sicherheitsrisiko ausgesetzt. Städtevergleiche zeigen jedoch, dass Fußgänger und Radfahrer umso sicherer sind, je höher ihr Anteil am Verkehr ist und je besser die Infrastrukturen ausgebaut und getrennt sind.

Umwelt: Inklusive der eingesparten Umweltbelastung lassen sich die jährlichen Kosten für Berufspendeln und Freizeit per Rad statt Pkw um bis zu 1.000 Euro senken.

Bedeutung von mehr Fuß- und Radverkehr für die Gesellschaft

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Eine Steigerung des Anteils des Rad- und Fußverkehrs in Innenstädten um 10 Prozentpunkte von derzeit knapp 40 auf 50 Prozent bis 2030 hätte zahlreiche Auswirkungen auf unser Lebensumfeld. Diese hängen wesentlich von der Entwicklung von Wirtschaft und Technologie sowie den gewählten Instrumenten ab.

Kosten: Direkte öffentliche Investitionen in den Ausbau von Fuß- und Radwegen sowie zum Aufbau und Betrieb von City-Maut-Systemen von einer Milliarde Euro bis 2030 ziehen bis zu sechsmal höhere Investitionen in anderen Bereichen nach sich. Insgesamt übersteigen diese den Nachfragerückgang im Automobilsektor, so dass bis 2030 ein Plus von Beschäftigung und Wachstum in Höhe von einem Prozent generiert wird.

Zeitaufwand: Durch die Maßnahme steigt die Reisezeit aller Wege im Durchschnitt um 19 Prozent bis 2020 und um 27 Prozent bis 2030. Gelingt es jedoch, die Aufenthaltsqualität und Begegnungsfunktion der Verkehrswege zu steigern, kann dies durch mehr soziale Kontakte zu einem Vorteil werden.

Umwelt: Durch 10 Prozent mehr Rad- und Fußverkehr lassen sich die Emissionen von CO2 um 1,5 Prozent, von Feinstaub und Stickoxiden (NOx) um 6 Prozent und von Kohlenmonoxid um bis zu 20 Prozent reduzieren.

Wege zu mehr Nachhaltigkeit

Eine erfolgreiche und nachhaltige Steigerung des Rad- und Fußverkehrs in Städten erfordert sichere, sichtbare und attraktive Infrastrukturen: eigenständige und schnelle Wege (zum Beispiel entlang von Flussufern), Entflechtung von motorisiertem und nichtmotorisiertem Verkehr an Knoten und Konfliktpunkten, Vortrittsregeln, Verkehrsberuhigung (auf niedrigem Niveau harmonisierte Geschwindigkeit), Gestaltung der Fahrbahnen (getrennte Fahrstreifen, Kernfahrbahnen), Gestaltung von Zonen (Begegnungszonen, Umsteigepunkte an Bahnhöfen und Haltestellen). Von großer Bedeutung sind zudem flächendeckende Leitsysteme und ausreichende Abstellmöglichkeiten für Fahrräder sowie attraktive Verleihsysteme. Imagekampagnen zur Aufklärung der Bevölkerung und speziell der Arbeitgeber sind hierbei unerlässlich. Positive Beispiele sind Münster und Bremen sowie Kopenhagen und die Niederlande.

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