ÖPNV

Maßnahme 2: Mehr öffentlicher Personennahverkehr − Was bedeutet der Umstieg vom Pkw für mich und unsere Gesellschaft?

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Mobilität heute
Von täglich 283 Millionen Wegen wurden 2008 rund 24 Millionen (8 Prozent) mit dem ÖPNV zurückgelegt. Mit 14 Prozent ist dabei der Wegeanteil in Kernstädten deutlich höher als in verdichteten und ländlichen Kreisen. Mit 41 Minuten lag die mittlere Wegedauer mit dem ÖPNV deutlich über dem Durchschnitt von 24 Minuten. Mit 12 beziehungsweise 34 Prozent hatten die Wegezwecke Arbeit und Ausbildung den größten ÖPNV-Anteil. Gegenüber 2002 stieg die Anzahl der Fahrgäste um 8 Prozent. Das Wachstum konzentriert sich auf Städte, während – bedingt durch den demographischen Wandel – ländliche Räume beständig Bewohner und somit potenzielle Fahrgäste verlieren.


Bedeutung von mehr ÖPNV für den Einzelnen

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In städtischen Räumen ist der ÖPNV eine meist kostengünstige Alternative zum Pkw mit vielen Vor-, aber auch einigen Nachteilen:

Kosten: Jahreskarten kosten im Schnitt etwa 700 Euro. Demgegenüber können die Kosten der Pkw-Nutzung bis zu 5.000 Euro pro Jahr erreichen. Werden tägliche Pkw-Fahrten durch den ÖPNV ersetzt, bliebe noch ausreichend Budget für die Nutzung von Carsharing oder Mietwagen übrig. Die meisten ÖPNV-Unternehmen bieten entsprechende Kombitarife an.

Gesundheit: Die Nutzung von Bus und Bahnen erfordert in den meisten Fällen einen Fußweg zur und von der Haltestelle. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation lässt sich mit 30 Minuten Fußweg täglich die gesunde Lebenszeit im Gegenwert von etwa 700 Euro jährlich verlängern.

Fahrzeit: Mit etwa 30 bis 40 Stundenkilometern liegen die Fahrgeschwindigkeiten von Pkw und ÖPNV in Städten recht nah zusammen. Beide Verkehrsträger haben Zu- und Abgangszeiten, jedoch sind Fahrten mit dem ÖPNV oft mit zeitintensiven Umsteigevorgängen verbunden. Andererseits ist die Verlässlichkeit des ÖPNV im Berufsverkehr gegenüber dem Pkw meist deutlich höher.

Sicherheit: Insgesamt beträgt die Unfallrate bei Bussen und Bahnen nur etwa 0,4 Prozent der Unfallrate von Pkw-Insassen, womit der ÖPNV das sicherste Verkehrsmittel im Stadtverkehr ist. Inklusive eines Zugangswegs zu Fuß ergibt sich beispielsweise für einen Pendlerweg eine Einsparung von 200 Euro jährlich gegenüber dem Pkw.

Umwelt: Der ÖPNV ist durch den Einsatz von Dieselbussen nicht vollständig emissionsfrei, dennoch liegt der jährliche Nutzen durch weniger Luftschadstoffe, Klimagase und Lärm auf einer 15 Kilometer langen Pendlerstrecke bei 90 Euro jährlich.

Bedeutung von mehr ÖPNV für die Gesellschaft

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Eine Steigerung des ÖPNV-Anteils um 10 Prozentpunkte innerhalb der kommenden 20 Jahre hätte zahlreiche Auswirkungen auf unser Lebensumfeld:

Investitionen: Eine Steigerung des Wegeanteils des ÖPNV von 8 auf 18 Prozent würde Investitionen in Fahrzeuge und Schienenwege von mehreren Milliarden Euro jährlich bedeuten. Diese übertreffen den Nachfragerückgang für Pkw, so dass bis 2030 Bruttoinlandsprodukt und Beschäftigung um bis zu 2 Prozent wachsen. In der Transportbranche fällt der Wachstumsimpuls mit 5 Prozent noch deutlicher aus.

Die Fahrzeiten nehmen im Durchschnitt um 20 Prozent zu, obwohl mit der Verlagerung auf den ÖPNV der tägliche Stau abgebaut wird. Mit mehr Nachfrage im ÖPNV lassen sich jedoch auch Direktverbindungen ausbauen und somit Umsteigezeiten reduzieren.

Umwelt: Die Klimagas-, Luftschadstoff- und Lärmemissionen des ÖPNV je Fahrt sind dreimal geringer als beim Pkw. Durch einen weiteren Anstieg der Besetzungsgrade von Bus und Bahn und mit mehr Strom aus erneuerbaren Quellen bis 2030 lässt sich dieser Umweltvorteil in den kommenden Jahrzehnten noch weiter ausbauen.

Wege zu mehr Nachhaltigkeit

Ein kundenfreundlicher ÖPNV zeichnet sich durch ein gut vernetztes Taktsystem im Zusammenspiel von S-Bahn, Straßenbahn und Bus aus, das mit hoher Pünktlichkeit und Servicequalität und mit attraktiven Fahrzeugen verkehrt. Die Kundenakzeptanz kann mit einem modernen Marketingmix (einfaches Ticketing, Informationssysteme, Transportkettenmanagement, gegebenenfalls mit Integration von Car- und Bike-Sharing) maximiert werden. Eine weitere wichtige Voraussetzung für ein erfolgreiches ÖPNV-System ist die Bevorzugung an Kreuzungen sowie attraktive Haltestellen und Zugänge. Beispiele für eine erfolgreiche Förderung des öffentlichen Personennahverkehrs finden sich im Rhein-Main-Gebiet, Karlsruhe, Zürich, Barcelona, London und Stockholm.

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