Kürzere Wege

Maßnahme 3: Kürzere Wege mit dem Pkw − Was bedeutet die Wahl näherer Fahrziele für mich und unsere Gesellschaft?

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Mobilität heute
2008 betrug die mittlere Fahrtdistanz pro Weg mit dem Pkw 15,3 Kilometer. Mit allen Verkehrsmitteln waren Geschäftsreisen mit durchschnittlich 20,4 Kilometern und Arbeitswege mit 17,7 Kilometern am längsten. Ausbildungswege waren im Schnitt 8,1 Kilometer und sonstige private Wege 9,8 Kilometer lang. Während die meisten Arbeitswege 10 bis 25 Kilometer lang sind, spielen sich die meisten dienstlichen Wege im Bereich von 5 bis 10 Kilometern weit unterhalb des Durchschnitts ab; gleichzeitig ist der Anteil der langen Reisen für dienstliche Zwecke größer als bei anderen Fahrtzwecken. Der Besetzungsgrad auf mittleren Strecken ist niedriger als auf kurzen und langen Strecken.


Bedeutung kürzerer Wege für den Einzelnen

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Kürzere Wege mit dem Pkw lassen sich durch die Wahl alternativer Ziele oder durch das Zusammenlegen von Wegen erreichen. Hierbei können Kosten der Automobilität und Umweltbelastungen eingespart werden.

Kosten: Durch kürzere Wege vermindern sich die variablen Fahrzeugbetriebskosten entsprechend der eingesparten Strecke. Zudem sind geringere Fixkosten auf den Weg anzurechnen, womit sich für einen Kompakt-Pkw eine maximale Ersparnis von 36 Cent pro vermiedenem Kilometer ergibt. Das Ausmaß variiert in Abhängigkeit von den Kosten am neuen Zielort (zum Beispiel Parkgebühren).

Gesundheit: Weniger Zeit in motorisierten Verkehrsmitteln lässt mehr Raum für aktive Mobilität und sonstige Bewegung. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation lässt sich mit 30 Minuten Bewegung täglich die gesunde Lebenszeit im Gegenwert von etwa 700 Euro jährlich verlängern.

Zeitaufwand: Kürzere Wege sparen Zeit. Je nach Reisezweck kann diese mit 6 bis 20 Euro pro Stunde bewertet werden. Werden Fahrten ins Umland jedoch durch Pkw-Wege in der Stadt ersetzt, können Stau und Parkplatzsuche die Zeitgewinne wieder vermindern. Gleichzeitig steigt aber auch der Anreiz, auf andere Verkehrsmittel (zum Beispiel ÖPNV oder Fahrrad) umzusteigen.

Sicherheit und Umwelt: Eine Pkw-Fahrt in der Stadt verursacht externe Unfallfolgekosten von durchschnittlich 4 Cent pro Kilometer. Für einen Kompakt-Pkw mit Euro-III-Abgasnorm im Stadtverkehr belaufen sich die externen Umweltkosten auf 2 Cent pro Kilometer. Für eine Verkürzung der Pendlerstrecke um 3 Kilometer ergeben sich damit pro Jahr um 90 Euro geringere soziale Kosten für vermiedene Unfälle und 50 Euro weniger für eine geringere Umweltbelastung.

Bedeutung kürzerer Wege für die Gesellschaft

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Auf nationaler Ebene wird eine durchschnittliche Reduktion der mit dem Pkw zurückgelegten Wege von 10 Prozent untersucht. Instrumente zur Erreichung dieses Ziels sind eine Pkw-Maut von 0,5 Cent pro Kilometer auf Fernstraßen, Investitionen zur Aufwertung regionaler und lokaler Destinationen sowie Informationskampagnen.

Investitionen: Eingriffe in die Wahl von Fahr- und Reisezielen der Menschen bedürfen enormer Anstrengungen, um lokale Angebote ebenso attraktiv wie heutige Destinationen zu gestalten. Unterstellte direkte Investitionen in Verkehrssysteme und Siedlungsräume von 5 bis 10 Milliarden Euro jährlich plus Sekundärinvestitionen heben die Gesamtinvestitionen der Wirtschaft trotz eines Rückgangs der Automobilproduktion um bis zu 9 Prozent. Bis zum Jahr 2030 erhöht sich damit das BIP um 3 Prozent und die Beschäftigung sogar um 11 Prozent gegenüber dem unterstellten Trend.

Fahrzeit und Umwelt: Teurerer Pkw-Fernverkehr und nähere Ziele begünstigen den öffentlichen Fern- und Nahverkehr. Dadurch steigt die Gesamtfahrzeit 2030 um 18 Prozent, dies entspricht kalkulatorischen Zeitkosten von 55 Milliarden Euro. Andererseits sinken aber sowohl die Umfallkosten um 7 Milliarden Euro als auch die CO2- und Schadstoffemission um bis zu 40 Prozent oder 9 Milliarden Euro jährlich.

Wege zu mehr Nachhaltigkeit

Kürzere Wege mit dem Pkw lassen sich vornehmlich über die Zielwahl bei langen Fahrten erreichen. Im Berufs- und Ausbildungsverkehr bedeutet dies, mit entsprechenden Anreizen Wohn- und Arbeitsstätte näher zusammenzubringen. Eine Anlastung der externen Kosten (mittels einer Pkw-Maut) erhöht die Anreize für kürzere Fahrten. Durch die Abschaffung der Eigenheimzulage und die Attraktivitätssteigerung der Innenstädte für Berufstätige und Familien werden bereits zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um eine Verdichtung nach innen anzustreben und eine weitere Zersiedlung zu verhindern. Attraktive Naherholungsgebiete bieten Anreize, die Freizeit in der näheren Umgebung zu verbringen. Entscheidend ist aber die Abstimmung der Verkehrsinfrastrukturpolitik mit der Raumordnungspolitik. Zu vermeiden sind Straßenausbauten in die Fläche, die den Siedlungsdruck weiter erhöhen. Parallel dazu sind raumplanerische Maßnahmen notwendig, die die Siedlungsentwicklung in schlecht mit dem ÖPNV erschlossenen Gebieten begrenzen.

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